Moritz Tramer und die «Zeitschrift für Kinderpsychiatrie» 1934–1963
Mit Beiträgen von Sabine Braunschweig, Mirjam Janett und Stefanie Salvisberg
Moritz Tramer (1882–1963) gilt als Pionier der Kinderpsychiatrie. Während er zu Lebzeiten internationale Anerkennung erhielt, ist er heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Dabei kann die von ihm von 1934 bis 1963 herausgegebene «Zeitschrift für Kinderpsychiatrie» als bedeutende Plattform des Austauschs für eine internationale und in den Kriegsjahren zunehmend versprengte Fachschaft gelten. Auch Kinder kamen darin durch zahlreiche Abbildungen von Zeichnungen zu Wort.
Der vorliegende Band beleuchtet ausgewählte Aspekte der frühen Kinderpsychiatrie aus historischer und kulturgeschichtlicher Perspektive. Im Zentrum zweier Kapitel steht die Zeitschrift: zum einen als fragiles Netzwerk, zum anderen als Publikationsort von Kinderzeichnungen. Ein weiteres Kapitel situiert Tramers für seine Zeit neuartigen Zugang zum Kind im Spannungsfeld von Psychiatrie und Eugenik in der Schweiz. Ein Beitrag geht den Anfängen der von ihm gegründeten Kinderbeobachtungsstation Gotthelfhaus nach, und ein Kapitel widmet sich dem wissenschaftlichen und publizistischen Wirken der Psychotechnikerin Franziska Baumgarten-Tramer (1883–1970), in dem sich fachliche Arbeit, gesellschaftliche Verantwortung und öffentliches Engagement eng verbanden.
«Ohne Moritz Tramer gäbe es vielleicht keine Kinderpsychiatrie, auch wenn er nicht ihr alleiniger Begründer ist. […] Jetzt lässt sich der Pionier mitsamt seinen widersprüchlichen Seiten entdecken. Die Kunsthistorikerin Katrin Luchsinger und die Historikerin Stefanie Mahrer haben einen reich bebilderten Sammelband herausgegeben, der Tramers Leben, sein Schaffen, seine Zeitschrift und nicht zuletzt das Wirken seiner Frau Franziska Baumgarten beleuchtet. Die Arbeitspsychologin hat ebenfalls polnisch-jüdische Wurzeln, und ihr ergeht es ähnlich wie ihrem Mann: Auch ihr bleibt die Anerkennung versagt. Selbst ohne
Nachwuchs, widmen sie sich, er mehr als sie, der Erforschung der Kinder. Davon zeugen die vielen Kinderzeichnungen, die im Band abgebildet sind. Sie dienten der Analyse der kleinen Patienten.»
«Moritz Tramer (1882-1963) gilt als einer der Pioniere der Kinderpsychiatrie, dennoch ist er kaum bekannt. Katrin Luchsinger und Stefanie Mahrer suchen mit anderen in ‹Ein Netzwerk im Krieg› nach Gründen, warum er trotz seines bedeutenden Werks und seiner zu Lebzeiten internationalen Anerkennung vergessen ging.»