Richard Dindo (1944–2025) ist ein herausragender Exponent des Schweizer Dokumentarfilms. Mit «Die Erschiessung des Landesverräters Ernst S.» hat er tief auf das helvetische Selbstverständnis eingewirkt. Öffentlich aufgerüttelt haben auch «Schweizer im Spanischen Bürgerkrieg» und Untersuchungen zum gewaltsamen Tod von Jugendlichen in den 1980er-Jahren («Dani, Michi, Renato & Max», «Verhör und Tod in Winterthur»). Dindos Motivation galt der Erinnerung an Widerständige, an Rebellen und Träumer, oft mit Blick auf deren utopisches Potenzial. Mehr und mehr ist er dabei in autobiografischem Material fündig geworden: bei Max Frisch vorab, bei Jean Genet, Ernesto «Che» Guevara, Arthur Rimbaud, Max Haufler, Charlotte Salomon, Henri Matisse oder Paul Gauguin. Bislang hat eine eingehende Darstellung von Dindos Methode filmischer Rekonstruktion von Erinnerung gefehlt. Ausgehend von seiner Prämisse, dass Nichterinnerung Selbstzerstörung ist, erhellt dieser Streifzug durch das OEuvre seine Bedeutung und Vielseitigkeit.
«Nun hat der ehemalige NZZ-Filmkritiker Martin Walder einen Band vorgelegt, der mehr eine kleine Werkschau ist als der im Untertitel bescheiden angekündigte ‹Streifzug›. […] Walder ist nicht unkritisch gegenüber den Widersprüchlichkeiten Dindos, bleibt dabei aber stets fair und neugierig. […] Durch die Anschaulichkeit und geduldige Erklärarbeit bei der Beschreibung der Filmszenen weckt Walder grosse Lust, sich diesem unbequemen Filmemacher wieder neu zu nähern.»
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«Martin Walders Dindo-Buch, mit seinem wissenschaftlich akribisch zitierten Apparat aus zeitgenössischer, subjektiver und objektiver Betrachtung, in Kombination mit Walders sehr persönlichen – und von einer Bereitschaft auch sich selbst zu revidieren geprägten – Haltung ist anregend, reichhaltig und die zur Zeit wohl attraktivste Einführung zu jeder denkbaren Dindo-Retrospektive.»
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