Private und staatliche Akteur:innen in der Pflegekinderbetreuung im Kanton Bern (1880–2020)
Fürsorge ist ein dynamischer gesellschaftlicher Bereich, der fortlaufend neu ausgehandelt wird. Das Buch blickt auf mehr als ein Jahrhundert Kinder- und Jugendfürsorge im Kanton Bern zurück. Es zeigt, wie staatliche und private Akteur:innen seit dem 19. Jahrhundert im Pflegekinderbereich tätig sind, welche Machtverhältnisse dabei zum Ausdruck kommen und welche Vorstellungen von Familie, Geschlecht und sozialer Verantwortung die Praxis bis heute prägen.
Der Band vereint acht Beiträge zur Entwicklung der Pflegefamilienunterbringung von 1880 bis 2020. Grundlage der Analysen sind schriftliche und mündliche Quellen. Die Autor:innen arbeiten mit dem Konzept der mixed economy of welfare und untersuchen ausgewählte Themenfelder aus historischer und soziologischer Perspektive – von der privaten stadtbernischen Gotthelfstiftung, die im 19. und 20. Jahrhundert als sogenannter «Kinderversorgungsverein» agierte, bis hin zur heutigen Tätigkeit von Pflegeeltern.
Dabei werden wiederkehrende Missstände und Problemlagen im Kindesschutz sichtbar. Die Beiträge zeigen, dass diese auch das Ergebnis sind von politischen Entscheiden und Prioritätensetzungen, die sich an traditionellen Vorstellungen von Familie und der Idee eines schlanken Staates orientieren. So sind etwa bis heute unterstützende Rahmenbedingungen im Pflegekinderbereich unzureichend finanziert.
Die Stadtberner Gotthelfstiftung in der mixed economy of welfare der Schweiz 1887–1918
Fürsorgerische Fremdplatzierungen von Kindern in der Stadt Bern und nationale Familienschutzbestrebungen (1930er- bis 1950er-Jahre)
Die Richtlinien und Anleitungen der Landeskonferenz für soziale Arbeit (1940er- bis 1970er-Jahre)
Reformmodelle aus privater Initiative für verbesserten Kindesschutz im Kanton Bern (1950er- und 1970er-Jahre)
Konstruktionen und Kontraste gesellschaftlicher Familienbilder 1960–1980
Arbeit und Rolle von Pflegeeltern zwischen öffentlichem Auftrag und privater Fürsorge heute