Jugend beobachten

Debatten in Öffentlichkeit, Politik und Wissenschaft in der Schweiz, 1945–1979

Gebunden
2019. 312 Seiten, 26 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1496-0
CHF 48.00 / EUR 48.00 
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Jugendliche galten in der Schweizer Nachkriegszeit als auffällige und abweichende soziale Gruppe. Jugendverbände und die Schweizerische Unesco-Kommission forderten Studien und jugendpolitische Reformen. Die Analyse dieser Debatten im Zeitraum von 1945 bis 1979 gibt Einblick in einen gesellschaftlichen Grundkonflikt: Während die Erwartungen an Jugendliche als Garanten gesellschaftlicher Stabilität in den 1960er-Jahren zunahmen, entfernten sich diese von traditionellen Normen. Die Studien und das Ringen um eine Jugendpolitik waren Teil eines krisenhaften Lern- und Anpassungsprozesses, mit dem Schweizerinnen und Schweizer auf die Herausforderungen des rasanten gesellschaftlichen Wandels reagierten.

ist Historikerin. Nach der Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin der UEK Administrative Versorgungen arbeitet sie seit 2019 an der Hochschule für Soziale Arbeit der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Geschichte fürsorgerischer Zwangsmassnahmen in der Schweiz.


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Besprechungen

«Bühler legt überzeugend dar, dass die wirtschaftshistorisch relevanten Krisenjahre 1973/74 als gesellschaftspolitische Zäsur hinterfragt werden müssen. Die bereits in den 1960er Jahren angestossenen «Pluralisierungs- und Liberalisierungsprozesse» (S. 277) wurden erst zwanzig Jahre später breitenwirksam. Bühler kommt zum Schluss, dass das öffentliche Reden über Jugend stets vielmehr eine gesellschaftliche «Selbstbespiegelung» als ein realgetreues Bild der jungen Generation darstellt. Dank ihres differenzierten Blicks auf die Interessen der unterschiedlichen Akteure der Wissensproduktion im Feld der Jugendpolitik gelingt es Bühler überzeugend darzustellen, dass die Jugend in öffentlichen Debatten vielmehr als «Seismograph» (S. 14) für allgemeine gesellschaftliche Auseinandersetzungen verstanden werden muss. Folgerichtig heisst es im Fazit nicht mehr Jugend beobachten sondern Die Gesellschaft beobachtet sich selbst. Die breite Quellenbasis, auf der die Studie basiert, ist positiv hervorzuheben. Insbesondere der Einbezug von graphischen Quellen (Fotographien und Karikaturen) ist für ein plastisches Verständnis der gesellschaftlichen Wahrnehmung der Jugend hilfreich.»

Schweizerische Zeitschrift für Geschichte, 71/1 (2021), Vera Blaser

«Wie die Historikerin Rahel Bühler in ihrer thematisch originellen Dissertation nachweist, setzt die ambivalente Beschäftigung der Erwachsenen mit den Jugendlichen nach dem zweiten Weltkrieg ein. [...] Um 1968 herum geben Behörden und Verbände gleich drei grosse Studien in Auftrag, um herauszufinden, was mit der gefährlichen Jugend los ist und was gegen deren ‹Ghettoisierung› zu tun sei. Doch die an sich pionierhaften Untersuchungen teilen das Schicksal so mancher angewandten Forschung: Als sie gegen Mitte der 1970er Jahre erscheinen, wirken sie bereits überholt.»

Link auf die vollständige Rezension

Neue Zürcher Zeitung, 16. Mai 2019, Urs Hafner