Der Schweizerische Tonkünstlerverein 1975–2017
Der vor 125 Jahren gegründete Schweizerische Tonkünstlerverein (STV) war für die Entwicklung zeitgenössischer Musik in der Schweiz zentral. Mittels jährlicher Tonkünstlerfeste, Zeitschriften, Tonträger und Preise prägte er Kanon und Diskurs bis zu seiner Auflösung und Fusionierung mit weiteren Musikerverbänden 2017. All diese Tätigkeiten haben sich in einem umfangreichen Archiv niedergeschlagen, das hier erstmals breit ausgewertet wird.
Nach 1968 setzten verschiedene kulturelle und gesellschaftspolitische Prozesse ein, die sich auch in die Musikszene einschrieben und sich beim STV wie unter einem Brennglas konzentrierten: ein Boom zeitgenössischer Musik (Festivals, Ensembles, Konzertreihen), das Aufkommen nicht komponierter Musik, der mediale Wandel (Tonträger, Radio, TV), eine geschärfte journalistische Reflexion von Ästhetik und politischer Vergangenheitsaufarbeitung sowie Diskussionen über Mitbestimmung, Gleichstellung und den Umgang mit Ausländern. Aus verschiedenen Perspektiven werden Kontinuitäten und Brüche aufgezeigt, die sich in öffentlichen Tätigkeiten des STV ebenso zeigten wie im inneren Funktionieren. Heute, am 125. Jahrestag, acht Jahre nach der Auflösung, lässt sich die Vereinsgeschichte vom Ende her denken: Was hat den STV in den Untergang gerissen? Hat er sich durch seinen Erfolg überflüssig gemacht oder haben sich einfach die Zeiten geändert?
«Parallel zu den Konzerten gab es im KKL die von Thomas Gartmann, Doris Lanz, Gabrielle Weber und Raphaël Sudan produzierte Ausstellung «Im Brennpunkt der Entwicklungen. 125 Jahre Schweizer Tonkünstlerverein» zu sehen. Ebenfalls vorgestellt wurde eine Buchpublikation über den STV von 1975 bis zu seinem Untergang 2017. Die wissenschaftlich akkurate Dokumentation bildet die Luxusbeerdigung einer Institution, die das Schweizer Musikleben im letzten Jahrhundert nachhaltig prägte.»