Beowulf global

Konstruktionen historisch-kultureller Verflechtungen im altenglischen Epos

Mediävistische Perspektiven, Band 11
Broschur
Erscheint im September 2021. ca. 72 Seiten, ca. 4 Farbabbildungen
ISBN 978-3-0340-1648-3
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Das altenglische Epos «Beowulf» beschreibt eine archaische Welt scheinbar absoluter altgermanischer Homogenität. Diese entpuppt sich bei näherem Hinsehen jedoch als Produkt anspruchsvoller literarischer Strategien. Das bruchlos wirkende heroische Universum des Textes erweist sich als kühn konstruiertes Gebilde, das mit ästhetischen Mitteln komplexe Reflexionen über Fragen zu transkulturellen Verflechtungen und historischer Alterität anstellt. Dem impliziten Konzept von Globalität, das dabei entsteht, gilt diese Studie. Sie zeigt, wie der «Beowulf» sein Konzept von Globalität performativ entwirft. Die mit grossem Aufwand gestaltete kulturell homogene, von altskandinavischen Völkern und Stämmen besiedelte Welt der Nord- und Ostsee wird mit ebenso grossem Aufwand auch wieder dekonstruiert. Diese Dekonstruktion erfolgt vor allem über archäologische und ekphrastische Topoi und Metaphern, mit denen der Text ferne Vergangenheiten und kulturelle Andersartigkeit in seine nur oberflächlich gesehen schlichten Kriegergesellschaften hineinholt. Eine besonders wichtige Rolle spielt dabei die Schlangen- und Drachenornamentik, die kunstvolle Artefakte aus fremden, zeitlich weit entrückten Kulturen schmückt. Eben weil diese besondere Globalität vor allem über archäologische Objekte konzeptualisiert wird, hat sie eine spezifische zeitliche Dimension. Im «Beowulf», so die These dieses Buchs, sind transkulturelle Verflechtungen immer auch zeitliche Verflechtungen, bedeutet Globalität eine Vernetzung nicht nur mit fremden Kulturen, sondern auch mit anderen Zeiten und Zeitlichkeiten.

Professor für englische Philologie an der Freien Universität Berlin. Seine Forschung gilt in letzter Zeit vor allem der Globalität der altenglischen Dichtung und dem Verhältnis Geoffrey Chaucers zur visuellen Kultur des italienischen Trecento.

Die Schriftenreihe repräsentiert die Breite der mediävistischen Forschung an der Universität Zürich und darüber hinaus.