Geplante Altstadt
Zürich, 1920–1960
Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Band 79
Broschur
2012. 220 Seiten, 136 Abbildungen s/w.
ISBN 978-3-0340-1108-2
CHF 58.00 / EUR 47.50 
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Auf den ersten Blick werden Altstädte meist als Hort der Tradition und Rückzugsort angehaltener Geschichte verstanden, als «authentischer» Überrest vergangener Zeiten, deren Spuren anderswo längst getilgt sind. Gleichzeitig gibt es in Westeuropa wohl kaum mehr ein zusammenhängendes Altstadtquartier, das während der letzten hundert Jahre nicht Ziel von Sanierungskampagnen gewesen wäre, in dem nicht Ersatzneubauten errichtet oder eingreifende Restaurierungen durchgeführt worden wären. Dies gilt auch für die Zürcher Altstadt.
Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert und noch bis in die 1950er Jahre hinein war der mittelalterlich geprägte Kern der Stadt Ziel von Sanierungsprojekten, die einen weitgehenden Ersatz der bestehenden Bausubstanz vorsahen. Im Lauf der 1930er Jahre ist dabei ein Wandel in der Haltung gegenüber der Altstadt festzustellen: Waren zuvor immer wieder Planungen für eine Neubebauung in jeweils «modernen» Formen diskutiert worden, verfolgte die Stadtverwaltung in Übereinstimmung mit der öffentlichen Meinung nun das erklärte Ziel, das bestehende «Stadtbild» und den «Massstab» der Altstadt zu wahren. Wenn auch nicht annähernd im geplanten Umfang umgesetzt, hatten gerade diese Sanierungskampagnen weitreichende Eingriffe in die Altstadt zur Folge. Vor allem in den 1940er und 50er Jahren wurden zahlreiche Um- und Neubauten realisiert, die nach zeitgenössischem Verständnis an ihre Umgebung «angepasst» worden waren und das Bild der Zürcher Altstadt seither wesentlich mitprägen. Die Etappen dieser heute kaum bekannten Entwicklungen sind Thema des Buches.

hat in Zürich Kunstgeschichte studiert und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Bern. Er arbeitet an einer Dissertation über Konzepte der Stadtsanierung und Stadterhaltung um 1900.

Inhalt
Dölf Wild: Zürcher Stadtplanung und die Antiquarische Gesellschaft

1 Einleitung

2 Die Altstadt im 19. Jahrhundert und um 1900
2.1 Die Modernisierung der Stadt seit 1850
2.2 Gustav Gulls Amtshäuser und der «malerische Städtebau» in der Altstadt
2.3 Die Altstadt im Wettbewerb «Gross-Zürich», 1915–1918
2.4 Zwei städtebauliche Wettbewerbe in der Altstadt, 1915–1919

3 Wohnungshygiene und Verkehr: die Altstadt um 1930
3.1 Die Zürcher Stadtplanung in den zwanziger Jahren
3.2 Das «farbige Zürich»
3.3 «Gässchenelend»: Altstadt und Wohnungshygiene um 1930
3.4 Die ersten «Auskernungen» in der Altstadt
3.5 Projekte für den Zähringerdurchbruch und das Niederdorf

4 Die Entdeckung des «Stadtbildes» in den späten 1930er Jahren
4.1 Der Sanierungsplan von 1935 und die Fortsetzung der «Auskernungen»
4.2 Drei Ersatzneubauten in der Altstadt, 1937–1939
4.3 Die Formulierung einer neuen Sanierungspraxis durch die Stadtverwaltung, 1937/38
4.4 Die «Bauordnung für die Altstadt» von 1940 und das letzte Projekt für den Zähringerdurchbruch
4.5 Die Restaurierung von Altstadthäusern um 1940

5 Die Institutionalisierung der Altstadtsanierung im Zweiten Weltkrieg
5.1 Die Eidgenössische Expertenkommission für Altstadtsanierung zwischen Arbeitsbeschaffung und «geistiger Landesverteidigung»
5.2 Altstadtsanierung als Thema der Lokalpolitik
5.3 Die Studienaufträge des Bebauungsplanbüros, 1942–1944
5.4 Der Weg zur Gründung des Büros für Altstadtsanierung

6 Das Büro für Altstadtsanierung unter Stadtbaumeister Albert Heinrich Steiner
6.1 Programm und Organisation des Büros für Altstadtsanierung
6.2 Die Planungskampagnen von 1944 bis 1951 und das «Richtprojekt» für die Altstadtsanierung
6.3 Die Umsetzung der Sanierungsprojekte
6.4 Die Konzepte einer «stadtbilderhaltenden» Sanierung und die zeitgenössische Debatte

7 «Denkmalpflege» statt «Altstadtsanierung»: das Ende der Sanierungskampagnen in den 1950er Jahren
7.1 Die Opposition gegen die Altstadtsanierung ab 1950
7.2 Ein «Büro für Altstadtsanierung und Denkmalpflege»

8 Zusammenfassung

Pressestimmen
«Die Publikation von Melchior Fischli legt den Finger auf Problematiken, die auch in Zukunft aktuell sein werden.» Urs Steiner, Neue Zürcher Zeitung

«Die Lektüre ist nicht nur lokalhistorisch Interessierten zu empfehlen, sondern hilft mit, wieder einmal darüber nachzudenken, welche Werte mit noch so subtilen Ersatzbauten verloren gehen können, und wie die Ästhetik der gerne eingeforderten «Einordnung ins Ortsbild» vom Zeitgeist geprägt wird.» Patrick Schoeck-Ritschard, Heimatschutz/Patrimoine

Am Berchtoldstag eines jeden Jahres stellt die Antiquarische Gesellschaft in Zürich ihr Neujahrsblatt vor. Der Band behandelt jeweils ein Thema der Zürcher oder Schweizer Geschichte. Dabei wird häufig jungen Wissenschaftlerinnen oder Wissenschaftlern die Möglichkeit gegeben, mit ihren Forschungsergebnissen an eine breitere Öffentlichkeit zu treten.