Buchvernissage

Niklaus Ingold, Sibylle Marti, Dominic Studer
Strahlenmedizin
Krebstherapie, Forschung und Politik in der Schweiz, 1920–1990

Strahlen werden in der Schweiz bei jeder zweiten Krebspatientin, jedem zweiten Krebspatienten zur Zerstörung von Tumorzellen eingesetzt. Doch wie ist diese Strahlenmedizin entstanden? Die Atombombenabwürfe am Ende des Zweiten Weltkriegs waren das folgenreiche Ereignis. Sie gaben Strahlenwissen sicherheitspolitisches Gewicht und trieben zugleich die Umsetzung ziviler Anwendungen der Atom- und Strahlenforschung an – auch in der Schweiz. Hatten bis dahin Radiumstiftungen die Strahlenmedizin gefördert, trugen nun Bundesgelder zum Ausbau der hochtechnisierten Radiotherapie bei. Die Computertechnik des Kalten Kriegs dynamisierte diese Entwicklung. Das Buch zeigt auf, wie vielfältige Interessen die Strahlenmedizin gestalteten – medizinische und wissenschaftliche, aber auch militärische, politische und wirtschaftliche.

Programm

Es sprechen:
Hubert Steinke, Direktor des Instituts für Medizingeschichte
der Universität Bern
Flurin Condrau, Lehrstuhl für Medizingeschichte der Universität Zürich
Daniel M. Aebersold, Präsident der Bernischen Radiumstiftung
Urs M. Lütolf, ehemaliger Präsident der Zürcher Radiumstiftung

Buchpräsentation durch Niklaus Ingold, Historiker

Anschliessend Apéro und Büchertisch

Bern, Dienstag, 5. Dezember 2017, 17.15 Uhr
Universität Bern, Auditorium Ewald Weibel (A224), Anatomie-Gebäude, Bühlstrasse 26, Bern

Ausstellungen «Bestandsaufnahme Gurlitt»

Oliver Meier, Michael Feller, Stefanie Christ
Der Gurlitt-Komplex
Bern und die Raubkunst

Gross war das Erstaunen, als 2014 bekannt wurde, dass Cornelius Gurlitt sein Erbe dem Kunstmuseum Bern vermacht hatte. Gurlitts Vermächtnis ist die Konsequenz von Netzwerken und historischen Kontinuitäten, die bisher kaum ausgeleuchtet worden sind. Die Beziehungen der Gurlitt-Familie zur Schweiz, zu Bern vor allem, waren enger, als bisher bekannt.
Im Kern ist der Fall Gurlitt ein Lehrstück. Er wirft ein Licht auf die Mechanismen von Beziehungsnetzen, auf die zwiespältige Rolle von Kunstsammlern, Kunsthändlern, Museumsverantwortlichen, Medien, Anwälten und selbst ernannten Interessenvertretern. Und er wirft ein Licht auf Themen im Spannungsfeld von Recht und Moral, die bis heute aktuell sind: nationalsozialistische Verfolgung und der Umgang mit Raubgut, Fluchtkunst und als «entartet» diffamierter Kunst. Die Spuren von Verfolgung, Verfemung und Verdrängung führen auch nach Bern. Dieses Buch geht den Geschichten, den Netzwerken und Protagonisten nach.

Aktuelle Ausstellungen

Kunstmuseum Bern:
Bestandsaufnahme Gurlitt. «Entartete Kunst» – Beschlagnahmt und verkauft
2. November 2017 bis 4. März 2018

Bundeskunsthalle, Bonn:
Bestandsaufnahme Gurlitt. Der NS-Kunstraub und die Folgen
3. November 2017 bis 11. März 2018

Wechselausstellung

Beatrice Green-Pedrazzini, Iris Ritzmann, Anja Thor
Schmetterlinge und Leidenschaft – Butterflies and Passion
Maria Sibylla Merians Lebenswerk – Maria Sibylla Merian's Lifework

Maria Sibylla Merian (1647–1717) widmet ihr Leben und Schaffen von Kindheit an den Raupen und ihrer geheimnisvollen Verwandlung. Für eine Frau des 17. Jahrhunderts beschreitet sie mit Leidenschaft unkonventionelle Wege: Als Forscherin bereichert sie die Naturkunde mit neuen Erkenntnissen, als Künstlerin hält sie ihre Beobachtungen in prachtvollen Kupferstichen fest.

Die aktuelle Wechselausstellung widmet sich der Naturkundlerin und ihrem Schaffen. Vier ihrer Werke aus der wertvollen Sammlung bilden das Kernstück der Ausstellung.

Das Publikum erfährt von der Künstlerfamilie, in der Maria Sibylla aufwuchs, erlebt ihre wachsende Begeisterung für Raupen und Schmetterlinge mit, begleitet sie auf ihre abenteuerliche Forschungsreise nach Südamerika und erkennt in Biografien, Benennungen und literarischen Werken die Bedeutung dieser faszinierenden Frau. Und wer hätte nicht gerne einmal Frau Merian beim Arbeiten über die Schulter geschaut? Im Zentrum der Ausstellung erlaubt ein Werktisch Einblicke in ihr Schaffen.

Für die jüngsten Gäste steht ein elektronisches Memory mit Bildern aus Merians Werken bereit.

Die Wechselausstellung dauert bis Frühling 2018
Museum für medizinhistorische Bücher
Marktstrasse 4, 5630 Muri

Lesung

Johanna Krapf
Auf der Flucht getrennt
Die Odyssee einer ruandischen Familie

Die Geschichte von Joséphine Niyikiza und Désiré Nsanzineza ist eine Geschichte von Flucht und Integration, die mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 1994 in Ruanda ihren Anfang nimmt. Was folgt, ist eine jahrelange Odyssee durch Zentralafrika, während derer sie eine Familie gründen. Bei einem Überfall werden sie getrennt, erst Jahre später finden sie in der Schweiz wieder zueinander, wo nach Überwindung vieler Hindernisse ihre Integration gelingt.

Thalwil, Donnerstag, 8. März 2018, 19.30 Uhr
Café International, Pfistertreff, Alte Landstrasse 100, 8800 Thalwil

Open Access aus Verlagsperspektive

Open Access, die Forderung öffentlich finanzierte Forschung kostenlos zugänglich zu machen, wird auch in der Schweiz erhoben.
Aus der Perspektive eines Sach- und Fachbuchverlags erwachsen daraus für die Gesellschaft zahlreiche Nachteile.

Lesen Sie dazu den entsprechenden Traverse-Artikel.

Traverse 2015/1